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Plexiglas bohren und biegen: So klappt es zu Hause

Meist braucht ein Stück Plexiglas nur ein Loch für eine Schraube oder einen Aufhänger, oder es soll einen Knick bekommen, etwa für einen Ständer oder eine Abdeckung. Genau dabei geht am meisten schief: Der normale Metallbohrer reißt das Loch aus, und beim Biegen mit dem Föhn tut sich nichts oder die Platte wirft Blasen.

Hier erfährst du, wie du Plexiglas sauber bohrst, wie du es zu Hause biegst und ob der Föhn dafür reicht. Dazu das Wichtigste zum Zuschneiden und Polieren. Alles zusammengefasst aus den Verarbeitungshinweisen des Herstellers Röhm.

7 Min. Lesezeit

Dünne, klare Acrylglasplatte mit halb abgezogener Schutzfolie auf einer Holz-Werkbank, daneben drei weiße Sterne aus PLEXIGLAS®, eine Laubsäge und ein Stahllineal Mit KI bearbeitet Mit KI bearbeitet: Vorlage war ein echtes Foto unseres Produkts. Daraus hat eine KI die Szene gestaltet, etwa Tisch, Licht und Umgebung. Form und Farbe entsprechen dem Produkt, kleine Abweichungen sind möglich. Mit KI generiert: Eine KI hat das Bild ohne Produktfoto als Vorlage erzeugt, zum Beispiel als Stimmungs- oder Anwendungsbild. Form und Farben können vom echten Produkt abweichen.

Vorher: Schutzfolie drauflassen

Plexiglas kommt mit einer Schutzfolie auf beiden Seiten. Röhm rät ausdrücklich, sie beim Sägen, Bohren und Fräsen nicht abzuziehen. Erst wenn das Teil fertig ist, kommt sie herunter. Einzige Ausnahme ist das Biegen, dafür muss die Folie ab.

  • Folie schon ab? Dann klebst du die Stelle, an der du sägst oder bohrst, mit Paketklebeband ab.
  • Anzeichnen auf der Folie: Bohrlöcher, Schnittlinien und Umrisse zeichnest du mit einem wasserfesten Stift direkt auf die Folie.
  • Keine Reißnadel, kein Körner: Die kleinen Kerben können später zum Riss werden.
  • Folie im Freien: Liegt eine Platte draußen, muss die Folie spätestens nach vier Wochen herunter. Danach wird sie spröde oder klebt so fest, dass sie sich nicht mehr sauber lösen lässt.

Plexiglas bohren ohne Risse

Ein gewöhnlicher Metallbohrer schneidet zu aggressiv. Er hakt sich ins Acrylglas, und an der Unterseite bricht ein Stück aus. Mit dem passenden Bohrer und etwas Geduld bekommst du saubere Löcher:

  • Stufenbohrer oder Kegelbohrer: Mit der Handbohrmaschine haben sich diese beiden am besten bewährt. Der Stufenbohrer bohrt glatte, runde Löcher und fast den Rand mit der nächsten Stufe gleich an. Der Kegelbohrer verhindert, dass das Loch an der Austrittsseite ausbricht, am besten in dreischneidiger Ausführung.
  • Metallbohrer nur umgeschliffen: Ein normaler Spiralbohrer braucht für Acrylglas einen spitzeren Anschliff mit 60 bis 90 Grad statt 120 Grad. Solche Bohrer gibt es fertig geschliffen zu kaufen.
  • Gut auflegen: Die Platte liegt flach auf einer stabilen Unterlage, am besten mit einem Holzbrett darunter.
  • Langsam ansetzen: Den Bohrer vorsichtig aufsetzen und mit mittlerer Drehzahl arbeiten.
  • Mit Wasser kühlen: Zwischendurch etwas Leitungswasser aus der Sprühflasche auf die Bohrstelle geben. So wird das Acrylglas nicht zu heiß und schmiert nicht.
  • Vor dem Durchstoßen bremsen: Kurz bevor der Bohrer unten austritt, den Druck fast ganz wegnehmen.
  • Rand entgraten: Den Lochrand zum Schluss leicht anfasen, mit einem Senker oder der nächsten Stufe des Stufenbohrers.

Große Löcher

Für Löcher bis etwa 60 mm Durchmesser nimmst du eine Lochsäge, die für Kunststoff geeignet ist, und kühlst dabei ebenfalls mit Wasser.

Das Loch für die Schraube etwas größer bohren

Acrylglas dehnt sich bei Wärme stärker aus als Glas, etwa 0,07 mm je Meter und Grad. Ein 1 m langes Teil wird zwischen 10 und 30 °C rund 1,4 mm länger. Bohr das Loch deshalb etwas größer als die Schraube, sonst kann die Platte an der Schraube reißen, und zieh die Schraube nicht zu fest an.

Plexiglas biegen: So geht es zu Hause

Plexiglas lässt sich warm biegen, braucht dafür aber ordentlich Wärme: Das gegossene PLEXIGLAS® GS, aus dem auch unsere Zuschnitte sind, wird erst bei etwa 160 °C formbar. Für einen geraden Knick erwärmst du nur einen schmalen Streifen entlang der Biegelinie, für eine Wölbung die ganze Platte.

  • Folie abziehen: Vor dem Erwärmen kommt die Schutzfolie herunter. Wenn die Kanten glänzen sollen, polierst du sie jetzt, später geht es schlechter.
  • Wärmequelle für einen Knick: ein Heizstab, ein starker Infrarotstrahler oder notfalls eine Kochplatte, die bis auf einen schmalen Streifen in der Mitte mit Glasgewebe abgedeckt ist.
  • Wärmequelle für die ganze Platte: der Backofen, am besten mit Umluft.
  • Nicht berühren: Zwischen Platte und Wärmequelle bleibt mindestens 1 cm Luft. Ab 4 mm Stärke wird von beiden Seiten erwärmt oder die Platte mehrmals gewendet.
  • Dabeibleiben: Wird die Platte zu heiß, bilden sich Blasen. Behalte sie deshalb die ganze Zeit im Blick.
  • Sofort biegen, ohne Kraft: Ist die Platte warm genug, lässt sie sich ganz leicht biegen. Musst du drücken, ist sie noch zu kalt und kann reißen. Bieg etwas weiter als nötig, weil der Schenkel beim Abkühlen ein wenig zurückfedert.
  • Halten, bis sie abgekühlt ist: Das Teil bleibt in Form gehalten, bis es unter etwa 60 °C abgekühlt ist. Trag dabei hitzefeste Handschuhe.

Reicht ein Föhn?

Ein normaler Haartrockner reicht nicht, seine Luft wird bei Weitem nicht 160 °C heiß. Mit einer Heißluftpistole aus dem Baumarkt geht es bei dünnen Platten bis 3 mm und kleinen Teilen. Röhm hält Heißluftgeräte aber nur bedingt für geeignet, weil sie die Stelle ungleichmäßig erwärmen und Spannungen im Material zurücklassen. Wenn du es versuchst: die Pistole ständig hin und her bewegen, mit Abstand arbeiten und erst an einem Reststück üben.

Wie eng darf der Knick sein?

Der Biegeradius sollte mindestens doppelt so groß sein wie die Plattenstärke, bei 3 mm also 6 mm. Bei engeren Radien entstehen Falten auf der Innenseite. Ist ein Schenkel sehr kurz, erwärmst du besser die ganze Platte, sonst verzieht sie sich.

Ist der Knick schief geworden?

Kein Problem bei PLEXIGLAS® GS: Erwärmst du das Teil noch einmal auf Biegetemperatur, geht es in seine flache Ausgangsform zurück, und du kannst neu anfangen.

Und kalt biegen?

Kalt lässt sich Plexiglas nur ganz sanft wölben, etwa um es eingespannt zu montieren. Der Radius muss dann mindestens 330-mal so groß sein wie die Stärke, bei einer 3 mm dünnen Platte also rund ein Meter. Alles Engere geht nur warm.

Plexiglas zuschneiden

Welches Werkzeug passt, hängt von der Stärke und der Form ab. Immer gilt: scharfes Werkzeug, die Platte gut festspannen, damit sie nicht flattert, und mit mittlerem Vorschub arbeiten.

  • Handsäge: Für Bastelarbeiten gehen feinzahnige Sägen wie Fuchsschwanz oder Laubsäge. Mit Geduld werden die Kanten ordentlich.
  • Stichsäge: ein gerade verzahntes Blatt für Kunststoff, Pendelhub auf null, mit laufender Säge ansetzen und mit Wasser kühlen.
  • Kreissäge: ein Hartmetall-Sägeblatt, das nur knapp über die Platte ragt.
  • Ritzen und brechen bis 3 mm: Mit einem Ritzmesser mit Hakenklinge entlang eines Lineals so oft ritzen, wie die Platte Millimeter stark ist, dann über eine Tischkante brechen. Die Bruchkante entgratest du mit einer Ziehklinge.
  • Innenecken vorbohren: Bei Aussparungen bohrst du in jede Ecke zuerst ein Loch von mindestens 10 mm und sägst von Loch zu Loch. Spitze Innenecken reißen sonst leicht ein.

Kanten schleifen und polieren

Gesägte Kanten sind matt. Mit Schleifen und Polieren werden sie wieder klar und glänzend.

  • Immer nass schleifen: So bleibt das Acrylglas kühl, und das Schleifpapier setzt sich nicht zu.
  • In drei Stufen: grob mit Körnung 80 bis 240, mittel mit 400, fein mit 600 bis 1000.
  • Polieren: mit Polierwachs, Polierpaste oder handelsüblicher Autopolitur auf einem sehr weichen Tuch. Danach die Reste mit Wasser abwischen.
  • Kein Flammpolieren: Die Flamme macht die Kante zwar schnell glänzend, hinterlässt aber Spannungen, aus denen später Risse werden können.

Spannungsrisse vermeiden

Beim Bohren, Sägen, Schleifen und Biegen entstehen im Acrylglas kleine Spannungen. Allein machen sie meist nichts. Kommen aber Lösungsmittel dazu, etwa aus Klebstoffen, Lacken oder scharfen Reinigern, können feine Risse entstehen, oft erst Tage später.

  • beim Bohren und Sägen mit Wasser kühlen und scharfes Werkzeug nehmen
  • zum Reinigen nur Wasser mit etwas Spülmittel und ein weiches Tuch verwenden, siehe PLEXIGLAS® reinigen und pflegen
  • stark bearbeitete Teile tempern: GS bei 80 °C so viele Stunden, wie die Stärke in Millimetern geteilt durch drei ergibt, mindestens aber zwei Stunden, danach langsam im Ofen abkühlen lassen

Lieber fertig zuschneiden lassen? So macht Bütic es dir leicht

Wenn du dir Säge und Schleifpapier sparen möchtest: Wir lasern Zuschnitte aus PLEXIGLAS® GS in unserer Werkstatt in Pößneck, mit glatten, glänzenden Laserkanten und in 17 Farben. Bohren und biegen kannst du sie anschließend selbst, genau wie oben beschrieben.

Fazit

Zum Bohren nimmst du einen Stufen- oder Kegelbohrer, kühlst mit Wasser und bremst kurz vor dem Durchstoßen. Zum Biegen brauchst du rund 160 °C, also Heizstab, Infrarotstrahler oder Backofen, ein Haartrockner reicht nicht. Die Schutzfolie bleibt beim Bohren und Sägen drauf und kommt nur zum Biegen herunter.

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